Die ersten Schritte zur KI-Integration – ein Praxisleitfaden für Entscheider
Der Einstieg in KI muss nicht kompliziert sein – entscheidend ist, systematisch vorzugehen und realistische Ziele zu setzen. Folgende Schritte haben sich in der Praxis bewährt:
1. Prozesse analysieren und Potenziale erkennen
In einem strukturierten Workshop – intern oder mit einem externen Partner – werden alle Unternehmensbereiche durchleuchtet: Wo entstehen repetitive Aufgaben? Wo liegen Daten bereits vor? Wo ist der Aufwand hoch, aber der Nutzen gering? Ziel ist eine Liste potenzieller KI-Anwendungsfälle – von „Quick Wins“ bis zur langfristigen Vision.
2. Prioritäten setzen und mit Quick Wins starten
Nicht jedes Problem eignet sich für KI. Beginnen Sie mit einem konkreten, klar abgrenzbaren Prozess, der schnell messbaren Nutzen bringt. Beispiel: automatische Angebotserstellung im Innendienst oder Dokumentenerkennung in der Buchhaltung.
3. Datenlage prüfen und vorbereiten
Ohne Daten keine KI. Prüfen Sie frühzeitig, welche Datenquellen existieren – Maschinen, ERP, CRM, E-Mails – und ob diese nutzbar sind. Oft ist eine erste Datenbereinigung nötig, bevor Machine Learning oder Bilderkennung greifen können.
4. Technologie und Partner auswählen
Setzen Sie auf erprobte Lösungen und Dienstleister mit Mittelstandserfahrung. Wichtig: Nicht die größte Plattform wählen, sondern die, die am besten zu Ihrer IT-Infrastruktur und Ihrem Tempo passt. Viele Anbieter bieten flexible Lizenzmodelle, auch für kleine Teams.
5. Mitarbeitende einbeziehen und schulen
Die Einführung von KI ist mehr als ein IT-Projekt. Wer die Fachabteilungen nicht mitnimmt, riskiert Widerstände. Schulungen, Transparenz und klare Ansprechpartner („KI-Botschafter“) helfen, Akzeptanz zu schaffen.
6. Erfolg messen und skalieren
Definieren Sie von Anfang an KPIs: Zeitersparnis, Fehlerquote, Bearbeitungszeit, Kosten. Ist der Pilot erfolgreich, folgt der Rollout auf andere Prozesse.
Praxisbeispiel:
Ein mittelständischer Maschinenbauer begann mit einer automatisierten Bilderkennung zur Oberflächenprüfung. Ergebnis: Ausschuss um 20 % reduziert, Prüfzeit halbiert, Ergebnisberichte automatisiert. Nach sechs Monaten wurde das System auf eine zweite Fertigungslinie ausgeweitet – mit geringem Zusatzaufwand.
Häufige Fehler vermeiden – und wie man es besser macht
Trotz vieler Erfolgsgeschichten scheitern KI-Projekte auch im Mittelstand – oft aus denselben Gründen:
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Unklare Ziele:
Wer ohne klaren Use Case startet, landet schnell bei einer teuren Spielerei ohne Nutzen.
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Datenchaos:
Fehlende, unstrukturierte oder nicht zugängliche Daten bremsen jede KI.
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Überambitionierter Start:
Der Versuch, gleich die gesamte Produktion zu automatisieren, überfordert Teams und Systeme.
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Technikzentrierung statt Nutzenorientierung: Fokus sollte immer auf dem konkreten Mehrwert liegen – nicht auf der Tool-Auswahl.
Die Lösung: klein starten, strukturiert planen, realistisch bleiben. Und bei Unsicherheit: Externe Beratung in Anspruch nehmen, bevor man wertvolle Ressourcen verschwendet.